Wenn Worte zu ehrlich sind –
Warum es so schwer ist, eigene Songs oder Gedichte zu veröffentlichen
Es gibt Texte, die schreibt man nicht, um sie zu veröffentlichen.
Sondern weil man sich etwas von der Seele runterschreiben muss.
Manchmal entstehen sie bei mir mitten in der Nacht, auf der Couch oder in irgendeiner anderen ruhigen Minute.
Dann sprudelt es nur so aus mir heraus.
Wenn mein Kopf frei ist. Oder auch so zu, dass es raus muss.
Meine Texte sind nicht geplant. Sie sind ein Ventil.
Und genau das macht es so schwer, sie mit anderen zu teilen.
Wer einen Roman schreibt, kann sich hinter seinen Figuren verstecken.
Wer Kurzgeschichten veröffentlicht, darf behaupten, vieles sei erfunden.
Doch Gedichte und selbstgeschriebene Songs wirken anders.
Sie tragen etwas in sich, das sich kaum verbergen lässt. Ich kann schlecht sagen, so ging es mal ner Freundin von mir..
Selbst wenn einzelne Zeilen nicht eins zu eins autobiografisch sind, fragen sich viele automatisch: Oh wen meint sie damit?
Plötzlich geht es nicht mehr nur um den Text. Es geht um mich.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so viele Texte nicht veröffentliche.
Sie verschwinden in meinen Notizbüchern, auf meinem PC und der einzige der sie jemals hören wird bin ich.
Dabei bin ich mir sicher, dass es so viele Menschen nachempfinden könnten .
Ein gedichteter Text ist oft mehr als nur Sprache.
Er zeigt Zweifel, Sehnsüchte, Wut oder Verletzlichkeit. Gefühle, die wir im Alltag geschickt verstecken.
Mit der Veröffentlichung passiert etwas Seltsames.
Was eben noch nur zwischen mir und dem Papier existierte, gehört plötzlich auch anderen.
Fremde Menschen lesen Zeilen, die beschreiben wies tief in meinem Kopf aussieht.
Sie interpretieren sie, erkennen sich darin wieder oder stellen Fragen, auf die ich eigentlich sogar gerne Antworten würde.
Aber das macht man nicht.
Dabei vergessen wir oft etwas Wichtiges: Menschen lieben Ehrlichkeit.
Nahbarkeit und den Mut etwas von sich preiszugeben. Es traut sich nur keiner. Noch nicht mal ich.
Die Texte, welche ich veröffentliche, lassen Interpretationsspielraum oder sind ganz klar in eine Richtung geschrieben, die für mich noch "okay" ist.
Ich frag mich manchmal, ob ich die anderen jemals veröffentlichen werde.